Rosenhof OS
Date: 
06.11.2019
Beginn: 
20:00h
Einlass: 
19:00h

Die Show ist restlos Ausverkauft!

 
Er wird gern »Ur-Vater des deutschen Rock« genannt. Dabei hat sich Achim Reichel diesen Titel nicht ausgesucht. Er wurde ihm von Kritikern verliehen, zum Beispiel von denen der Nordwest Zeitung. Mit gutem Grund: Als andere große deutsche Rockmusiker anfingen Klubs und Konzertbühnen zu erobern, hatte Reichel bereits seine erste Karriere hinter sich. Als Frontmann der Hamburger Rattles spielte er zwischen 1960 und 1966, zu Zeiten des legendären Star-Club, an die 30 Singles ein, die Hamburger Jungs tourten schon 1963 zusammen mit den damals noch weniger bekannten Rolling Stones durch England und begleiteten die weltberühmten Beatles 1966 auf deren einziger Deutschland-Tournee. Nach seiner Einberufung zur Bundeswehr folgten dann die Hits mit Wonderland.
Achim Reichel war ein Rebell, ein 68er und Aufbegehrender, aber auf seine ganz eigene Art. »Politisches Lied muss nicht immer Parolen-Singen bedeuten«, sagt er, »der Sound einer Musik ist auch eine Haltung, der Sound kann auch unangepasst sein«. Wie sehr, das bewies er, als er 1971 erstmals mit elektronischen und psychedelischen Klängen experimentierte und sich mit A. R. & Machines auf eine ›Grüne Reise‹ begab, die von den Hippies erst viel später entdeckt wurde. Er war wieder mal seiner Zeit voraus: »Die Musik war wirklich innovativ, sie kam nur viel zu früh und im falschen Land«. Aber sie setzte Trends, von denen Bands wie Kraftwerk oder Tangerine Dream später profitierten und ihn über 45 Jahre später in den ausverkauften Großen Saal des neuen Hamburger Kulturtempels, die Elbphilharmonie, führte. Reichel will diese Zeit nicht missen, aber sie kommt ihm »manchmal vor wie das Leben vor dem Leben«, sagt er.
Sein Leben danach begann in seiner ganz eigenen rockmusikalischen Zeitrechnung 1975 mit seinem ersten deutschsprachigen Album. Jetzt ist er der Hamburger Jung 75 Jahre alt. »Zwei Mal 75«, wie er das schmunzelnd nennt. Zeit für eine Bilanz und vielleicht auch eine Zäsur? Zumindest für einen Rückblick, für ein ›Best Of‹ dieser Schaffensperiode, die sich am besten nicht in Jahren, sondern in Alben bemessen lässt: 22 Alben verrockter Seemannslieder, deutscher Lyrik und Prosa, altgermanischer Balladen, Volkslieder und poetischer Alltagsgeschichten, typisch Achim. 37 Titel daraus, auf Vinyl und CD gepresst, präsentiert er als eine Art Werkschau dieses Musiker-Lebens, mit dem er zu sich selbst fand: Neu gemastert, und nicht nur im Studio eingespielt, denn Live-Aufnahmen seien »noch mal eine ganz andere Realität«. Die können seine Fans gleich doppelt erleben - ab Oktober geht er mit diesen ›Best Of‹-Songs auf musikalische Erlebnisreise und große Deutschland- Tournee. Passend dazu schreibt er an seiner Biographie, denn er hat was zu erzählen.
 

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