Abay / Münster

Sputnik Café Münster
Date: 
27.04.2017
Beginn: 
20:00
Einlass: 
19:00
Eintritt: 
€16.10
Die Geschichtsstunde zur Einleitung halten wir an dieser Stelle so kurz wie möglich, ist die bisherige Karriere von Aydo Abay doch zu genüge dokumentiert und für jedermann ohne große Mühe allerorts nachzulesen. 14 Jahre sang er bei Blackmail, einer der einflussreichsten Gitarrenbands, die in den vergangenen zwanzig Jahren überhaupt aus Deutschland kamen, stieg überraschend aus, betrieb seit 2009 Projekte wie KEN, Crash:Conspiracy und zahlreichen weitere, war nie ganz weg, aber auch nie mehr so da wie zu Blackmail-Zeiten. Bis jetzt.
Am 12. August 2016 erschien das erste Album seines offiziellen neuen Projekts ABAY. Es trägt den zeitgeistigen Titel ›Everything’s Amazing And Nobody is Happy‹, und obwohl sein Nachname in großen Lettern auf dem Cover prangt, ist ABAY kein Solo-Ding, sondern ein Duo mit Band. Der zweite Teil des Duos ist Jonas Pfetzing – Gitarrist und Songschreiber von JULI, der Band, die für ein paar der kommerziell erfolgreichsten deutschen Pop-Songs der vergangenen Dekade verantwortlich ist.
Die Zusammenkunft der beiden Musiker war keine von „pfiffigen Produzenten“ arrangierte Business-Idee sondern viel mehr ein wunderbarer Zufall. Vor mehr als vier Jahren begegnen sich Pfetzing und Abay nachts an einem Kiosk in Berlin (oder Späti, wie es wohl im lokalen Slang heißen müsste) und Pfetzing gesteht, schon seit seiner Jugend großer Fan von Aydos Ex-Band zu sein und sie mehrfach live gesehen zu haben. Darauf müsse nun ein Schnaps getrunken werden fordert Pfetzing, Abay verzichtet jedoch aufgrund temporärer Abstinenz. Zumindest aber möchte er Abay neue Musik schicken, die er geschrieben habe. Ob er dazu singen wollen würde?
Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. In den vier Jahren seit dem nächtlichen Treffen schreiben die beiden gemeinsam über 80 Songs, nehmen sie in sechs verschiedenen Studios mit zahlreichen Produzenten und Hilfe von 25 Musikern auf. Es erscheinen Singles und die EP ›Blank Sheets‹, auch spielen sie erste öffentliche Auftritte, touren mit Interpol oder Madsen. Letztendlich entsteht mit Ole Fries (Bass), Chris Stiller (Keys) und Johannes Juschzack (Drums) sowie Produzent Thies Neu (Tonbrauerei) ein funktionierendes Umfeld, um das erste ABAY Album endlich Realität werden zu lassen.
›Everything’s Amazing And Nobody is Happy‹ ist ein Indie-Rock Monster mit jeder Menge Pop-Appeal geworden. Elektronische Ausflüge, wie Abay sie mit seinen Nebenprojekten gern machte, hört man darauf kaum. Allein schon wegen des charakteristischen Timbres in seiner Stimme, liegt ein musikalischer Vergleich zu Blackmail natürlich nahe, und auch der über acht-minütige Titeltrack würde mit seinen stoischen Riffs und Ausbrüchen fabelhaft auf Platten seiner ehemaligen Band passen – doch das stört ihn keinesfalls: Jonas war mit 16 Fan meiner alten Band, von unseren Melodien und auch Kurts Sound. Ich bin ich. Kombiniert erinnert das natürlich hier und da an Blackmail. Vor allem, wenn es laut wird. Ich mag die Referenz, denn ich bin immer noch stolz darauf, was wir damals erreicht haben. Wir waren immer anders, laut und nervig. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Alles richtig gemacht.«
Auf dem ganzen Album hört man neben der klassischen Rock-Besetzung Gesang-Gitarre-Bass-Schlagzeug auch viele Keyboard- und Klavier-Anteile, die immer wieder eine wichtige Rolle in den Stücken von ABAY übernehmen. Die vorab veröffentlichte Single ›The Queen Is Dead“ umreißt den Sound vorzüglich: während ein energisch gespieltes Klavier zusammen mit Abays Gesang den Song nach vorne trägt, schlagen bratende E-Gitarren und Trommelwirbel immer wieder Kerben in die vermeintliche Ballade, die durch den verzerrten Gast-Gesang von SAFI an Dramatik gewinnt. Und dramatisch ist auch der Inhalt, so Abay: »Die Queen ist die Erde. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass der Mensch komplett versagt hat. Nichts verstanden, nichts umgesetzt. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wo man ansetzen könnte, um alles wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Das heißt nicht, dass ich aufgegeben hätte – aber eigentlich müsste man den Affen die Kontrolle über die Erde überlassen. Die Menschen können alle weg. Bringt nix. The Queen is Dead. «
Stücke wie ›1997 (Exit A)‹ oder ›Signs‹ kommen musikalisch hingegen leichtfüßiger daher, hört man hier doch auch klare Einflüsse aus New Wave, Post-Punk und viel, viel Pop. Textlich bleibt Abay aber stets ernst und düster, so erzählen beiden Songs trotz hellster Instrumentierung von bitterer Erkenntnis. »Gerade nach dem Ausstieg ist mir aufgefallen, wie viele Menschen auf einmal gar nicht mehr so nett zu mir waren. Denen bin ich eine Zeit lang hinterher gehechelt, nur um zu merken, wie ekelhaft das eigentlich ist. Noch schlimmer war die Erkenntnis, dass das alle machen. Ich habe irgendwann aufgehört, mich für die Probleme anderer zu interessieren. Jeder trägt seinen eigenen Schund mit sich herum. Diesen Brocken kann einem niemand abnehmen, da muss man durch.« Unzufriedenheit und Frustration sind und bleiben ein paar der besten Motoren für die Kunst und als Hörer können wir nur froh sein, dass sich mit Jonas Pfetzing und Aydo Abay zwei
Musiker gefunden haben, die daraus so unwiderstehliche Stücke erschaffen haben. ›Everything’s Amazing And Nobody is Happy‹ von ABAY erschien am 12. August 2016 beim Kölner Independent-Label Unter Schafen Records. Im September 2016 fand die Release-Tour zum Album statt, die im April 2017 fortgesetzt wird.

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